Der richtige Golfschlag


Ob kurz, hoch, flach oder lang, der Golfschlag gehört eigentlich zu den einfacheren sportlichen Bewegungen, vergleichbar mit dem Aufschlag beim Tennis, dem Torschuss bei Fußball oder Hockey. Beinahe wie der gekonnte Umgang mit Axt und Teppichklopfer.  Disziplinen wie Diskus- und Speerwurf, Hoch- oder Stabhochsprung, Reckturnen und Trampolinspringen, oder gar Spiele wie Radball und Pferdepolo sind bei vergleichbar fehlerfreier Ausübung weitaus schwieriger. Die beklagenswerten Komplikationen beim Golfschlag entstehen erst dadurch, dass der Anfänger falsche Vorstellungen vom Bewegungsablauf  hat und ihm trotzdem hin und wieder ein passabler Schlag gelingt. So verkennt er seine großen und kleinen Fehler und „korrigiert“ sie falsch. Und dadurch verirrt er sich in einem Labyrinth von Abweichungen, die einander bedingen, verschlimmern und verfestigen.

Die menschliche Motorik hat offenbar einen Fehlergenerator mit geradezu unbegrenztem Einfallsreichtum.
Der Weg aus dieser Falle: Wenn Ihnen Ihr heutiges Golf gefällt, so lassen Sie es dabei. Wenn nicht, dann sollten Sie diese Ausführungen sorgfältig lesen - Hören Sie am besten sofort damit auf, auf dem Golfplatz gegen simple Erkenntnisse der Biomechanik zu arbeiten. Sie tun es im "wahren Leben" doch auch nicht, weil Sie die Sinnlosigkeit gewisser Aktionen längst am eigenen Leib erfahren haben. Warum glauben Sie auf Drivingrange an Wunder?

DAS RICHTIGE SCHLAGEN

Dies ist ein Modell für den richtigen und dennoch einfachstmöglichen  Golfschlag. Es gilt im Prinzip vom Chip bis zum Drive, im Bunker und im Rough. Griff, Stand und Ebene werden als richtig vorausgesetzt.
Der ambitionierte Freizeitgolfer muss sich bemühen, bei jedem Schlag und in jeder Lage die entscheidenden Dinge immer wieder genau gleich zu machen.

Foto 1: Ansprechen
Die Haltung ist dem Impakt möglichst ähnlich:
Das Becken ist leicht nach links geschoben und nach rechts gekippt.
Der Kopf ist leicht nach rechts geneigt und gewendet (Im Bild etwas übertrieben). So hält der Kopf die Hauptdrehachse (Rumpf) während des ganzen Schlages in Stellung.
So vermeidet er das Vordrängen der rechten Schulter und das Nach-Links-Kippen der linken Schulter.

Und so befreit er das Ausholen nach hinten oben und das leichte Nach-Links-Schieben des Beckens zu beginn Abschwungs. Das linke Handgelenk ist gestreckt, sodass linker Arm und Schlägerschaft eine Linie bilden. Der Zugriff ist während des ganzen Schlages weder locker noch kraftvoll, sondern angenehm fest, elastisch sicher.

richtiger Golfschlag Phase 1Foto 2: Ausholen
Die Bewegung ist fließend aber gemächlich. Kopf und Körpergewicht werden zentriert stillgehalten. Nicht krampfhaft sondern in natürlicher Absicht. Bewusst wird nur der linke Arm geführt. Sein Ellbogen ist gestreckt.

Der Winkel in der linken Schulter (also zwischen Arm und Brust) schließt sich spontan von ca. 60 auf ca. 30°. Der Rumpf, also Schulter- und Beckenachse, drehen spontan mit.

Bewusst wird nur das rechte Handgelenk zum Handrücken hin zurückgebeugt.Und zwar nur um ca. 30°, also um ein Drittel. Das linke Handgelenk bleibt plan und folgt dem was die Rechte tut.

richtiger Golfschlag Phase 1Foto 3: Umkehren
Die Bewegung bleibt gemächlich, fast zögerlich. Kein plötzlich entschlossenes Zuschlagen! Der Schläger wird weder nach hinten geworfen noch nach vorne gedrückt, sondern: Das rechte Handgelenk wird bewusst um ein weiteres Drittel, also auf ca. 60° zurückgebeugt. (Dies muss vor dem Spiegel eingeübt werden.)
Bewusst wird nur der linke Arm wieder abwärts geführt. Rumpf und Beine unterstützen dies spontan und ohne Anstrengung. Das Becken sollte dabei etwas nach links geschoben werden.

richtiger Golfschlag Phase 2Foto 4: Abschwingen
Auch der Abschwung, ja das ganze Schlagen, ist eine gemächliche Beschleunigung. Die rechte Schulter muss dabei zurückgehalten werden,
Während der linke Arm in die Senkrechte zurückdreht und der Winkel in der linken Schulter sich wieder öffnet, wird das rechte Handgelenk bewusst weiter zurückgebeugt. Nach zwei Dritteln (2/3) des Abschwungs erreicht es erst seine volle Beugung, also 90 bis 105°. Der linke Arm zeigt in diesem Moment schon um 45° nach rechts unten. Der rechte Ellbogen wird dabei gebeugt vor die rechte Hüfte gezogen.
Durch die volle Rückbeugung entsteht in den Muskeln des rechten Unterarmes eine Vorspannung, die eine hochschnelle Streckung des Handgelenkes und damit eine plötzliche Beschleunigung des Schlägerkopfes erst möglich macht.
Wenn diese Streckung zu weit oben, also „zu früh“ erfolgt, ist der Schlag unweigerlich misslungen.

Die nächsten Fotos offenbaren das Schlagresultat.

richtiger Golfschlag Phase 3Foto 5: Pre-Impakt
Wenn der linke Arm auf den Ball zeigt, liegt der Schlägerschaft beim richtigen Schlagen noch 15-30° vor der Senkrechten. Sonst ist der Schlag „geschaufelt“ oder „gelöffelt“. Der tiefste Punkt des Durchschwunges liegt dann rechts vor dem Ball, das Treffen ist „fett“ oder „dünn“ anstatt „sauber“

Sind die Hände hier schon vor dem Ball, so bedeutet dies nur sehr selten, dass die Beugung und Streckung der rechten Hand „zu spät“ wäre, also zu weit unten stattgefunden hätte. In den allermeisten Fällen ist vielmehr die Streckung zu langsam, weil sie zu weit oben begonnen hat und deshalb keine Vorspannung aufgebaut wurde. Oder die Drehung von Rumpf und Armen war einfach viel zu schnell.

richtiger Golfschlag Phase 4
richtiger Golfschlag Phase 5


Foto 6: Impakt
Je kürzer der Schläger, desto weiter links vom Ball liegt der tiefste Punkt des Durchschwungs, also desto weiter befinden sich die Hände bereits vor dem Ball. Nur bei den Hölzern sind die Hände beim Impakt genau über dem Ball und nur beim Drive vom hohen Tee sind die Hände beim Impakt sogar leicht hinter dem B

Foto 7: Post-Impakt
Der Schläger wird nicht weiter beschleunigt. Die rechte Hand arbeitet nicht weiter, drückt nicht über die Streckung hinaus auf den Schläger. Der Schläger wird nach dem Impakt sofort erheblich langsamer und überholt die Hände erst, wenn der linke Arm schon um ca. 20° nach links zeigt.

richtiger Golfschlag Phase 7 richtiger Golfschlag Phase 8


Foto 8: Ausschwung
Schläger und Arme werden sehr schnell langsam und schwingen aufwärts, weil es nach einem gelungenen Abschwung nicht anders geht.


Foto 9: Finish
Man muss nicht bis an die Grenzen der eigenen Gelenkigkeit ausschwingen oder eine theatralisch Pose anstreben. Hauptsache sind Gleichgewicht und Kontrolle.



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